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Susanne

Susanne wächst in einem Haus auf, in dem der Lärm nie aufhört.

Schreie, Streit, das Klirren von Flaschen.

Manchmal versteckt sie sich mit ihrem Teddybär unter der Decke, manchmal läuft sie einfach raus, barfuß über den Hof, in den Wald. Nur dort ist es still. Nur dort kann sie atmen.

Später, als Jugendliche, findet sie einen kleinen braunen Wallach. Ein Pony, das niemand haben wollte. Sie striegelt ihn stundenlang, redet mit ihm, wie andere mit Freunden reden. Das Tier hört zu, ohne etwas zu fordern. Zum ersten Mal fühlt sie, dass Nähe nicht weh tun muss. Doch die Sehnsucht bleibt – nach Frieden, nach einem Ort, an dem sie wirklich ankommen kann.

Als Erwachsene sucht sie weiter.
Sie liest Bücher über Energie und Heilung, besucht Seminare, versucht Meditation, Reiki, Pendel, Karten. Immer wieder denkt sie, diesmal habe sie gefunden, wonach sie sucht. Doch der Frieden bleibt flüchtig, zerrinnt, sobald der Alltag kommt.

Eines Tages sitzt sie in einem Kurs, als jemand von Jesus spricht. Nicht belehrend, nicht laut. Einfach nur still.

Und etwas in ihr hört auf zu rennen.
In den Wochen danach beginnt sie zu beten, zögernd, tastend, fast schüchtern.

Es ist kein lauter Durchbruch, eher ein leises Wiederfinden.

Wie heimkommen nach einem langen Weg.


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