Line
Line sagt: „Ich habe alle roten Ampeln überfahren.“ Und meint damit nicht nur im Verkehr. Zu viel Tempo, zu viele Erwartungen, zu viele Stimmen, die sagten, wie Leben funktioniert. Bis nichts mehr ging.
Der erste Zusammenbruch kam leise. Ein Morgen, an dem sie nicht aufstehen konnte. Dann kamen die nächsten, tiefer, schwerer, unberechenbarer. Depressionen, Panik, diese lähmende Schwäche, die selbst das Atmen mühsam machte. Sie betete, aber Gott schwieg. Und irgendwann glaubte sie, dass er sie vergessen hat.
Monate später beginnt etwas Neues, kaum sichtbar, fast unscheinbar. Ein Arzt, der zuhört. Eine Freundin, die bleibt, auch wenn sie nichts sagen kann. Ein Gebet, das keine großen Worte braucht. Manchmal nur ein Seufzen.
Langsam wird das Dunkel dünner. Nicht verschwunden, aber durchlässiger. Und sie merkt: Gnade ist kein Blitz aus dem Himmel. Sie wächst in winzigen Schritten, in Gesprächen, in Medikamenten, in Tagen, an denen sie wieder lacht, ohne Grund