Bianca
Mit fünfzehn ist Bianca schwanger. Zu Hause Streit, Rückzug, keine Liebe, nirgends ein Ort zum Atmen. Sie sitzt beim Arzt, will die Schwangerschaft beenden, will einfach nur raus aus allem. Dann das Ultraschallbild – ein kleiner Körper, ein Herz, ein Winken. Für einen Moment hält alles an.
In ihr taucht ein Gefühl auf, das sie längst vergessen hatte. Diese Wärme, die sie als Kind gespürt hatte, in einem Traum, auf dem Schoß Gottes. Damals war sie acht. Jetzt ist sie fünfzehn und spürt dieselbe Nähe wieder. Und sie weiß: Wenn ich dieses Kind behalte, wird für mich gesorgt.
Sie sagt den Termin ab.
Das Kind kommt zur Welt.
Caritas meldet sich zu spät – und doch rechtzeitig.
Jahre später sitzt sie am Fenster, schaut in den Himmel und fragt, ob es irgendwo eine Tür gibt, die aus all dem führt. Wenig später steht sie in einem Gottesdienst. Der Pastor spricht über Jesus, die Tür zum Leben. Und sie weiß: Das ist die Antwort.
Heute ist ihr Sohn erwachsen, verheiratet, bald selbst Vater. Wenn Bianca ihn anschaut, weiß sie, wie knapp das Leben manchmal ist – und wie groß Gott sein kann.